Entstehung des MWS-Abwassersystems
Modulare Kläranlagen: Überall einsetzbar
Die Entstehung des MWS-Abwassersystems geht auf das Jahr 2005 zurück. Ausgangspunkt war ein einjähriger Aufenthalt in Indonesien, bei dem Kurt Saygin gemeinsam mit dem Technischen Hilfswerk (THW) im Rahmen der Katastrophenhilfe nach dem Tsunami im Einsatz war. Im Fokus der humanitären Hilfe standen zunächst insbesondere Fragen der Trinkwasserversorgung. Im Verlauf der Einsätze wurde jedoch zunehmend deutlich, dass auch die Abwasserentsorgung eine entscheidende Rolle für die öffentliche Gesundheit und die Versorgungssicherheit in Krisengebieten spielt.

In den darauffolgenden Jahren folgten weitere Einsätze in Seuchen- und Krisengebieten. Dabei wurde in verschiedenen Katastrophenregionen wiederholt festgestellt, dass Abwassersysteme entweder nur unzureichend vorhanden waren oder vollständig fehlten. Diese Defizite führten regelmäßig zu erheblichen hygienischen Risiken und begünstigten die Ausbreitung infektiöser Erkrankungen. In der Folge richtete Kurt Saygin sein besonderes Augenmerk zunehmend auf die Entwicklung und Verbesserung von Abwassersystemen für den Einsatz in Krisengebieten.

Auf Basis dieser Erkenntnisse entstand die Vision eines modularen Abwassersystems, das unabhängig von bestehender Infrastruktur eingesetzt werden kann. Ziel der Entwicklung war ein technisch robustes, transportables System, das sich in kurzer Zeit in Betrieb nehmen lässt und sowohl in akuten Katastrophensituationen als auch im Rahmen präventiver Maßnahmen eingesetzt werden kann.
Der Choleraausbruch in Haiti verdeutlichte erneut die zentrale Bedeutung funktionierender Abwassersysteme und lenkte die internationale Aufmerksamkeit verstärkt auf diesen Bereich. Dabei wurde zunehmend erkannt, dass sanitäre Infrastruktur in der Katastrophenhilfe häufig nicht ausreichend berücksichtigt wird, obwohl sie entscheidend zur Vermeidung von Gesundheitsrisiken und zur Eindämmung von Krankheiten beiträgt.

Im Jahr 2017 wurde Kurt Saygin aufgrund seiner vieljährigen Expertise mit der Umsetzung eines einsatzfähigen modularen Abwassersystems beauftragt. 2018 erfolgte die Fertigstellung der ersten Anlage in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Roten Kreuz (IFRC). Im Anschluss wurden Pilotprojekte, unter anderem in Bangladesch, durchgeführt, die zu weiteren technischen Optimierungen führten. Ab 2019 wurde das MWS-Abwassersystem in die reguläre Produktion überführt und für den internationalen Katastrophenschutz bereitgestellt.

Ein erster Einsatz in Deutschland erfolgte nach dem 14./ 15. Juli 2021 im Zusammenhang mit der Flutkatastrophe im Ahrtal. Das System wurde dort zur temporären Sicherstellung der Abwasserentsorgung eingesetzt und ist (Stand Mitte 2026) weiterhin in Betrieb und versorgt rund 3.000 Menschen.
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